Animation Avantgarde 3

, Stadtkino im Künstlerhaus 75 min

Das Verarbeiten von verschiedenen Materialien zu einem neuen Werk ist oft ein Motiv in experimentellen Arbeiten. So sammeln Filmschaffende auf Müllhalden (Recycled), in Vorführkabinen (Optical Sound) oder auch in Gemälden (Gloria Victoria) ihre Ideen, Bilder und Inspiration und komponieren diese zu etwas Neuem. Klare Haltung gegen die immer noch verbreitete Lieblichkeit im Animationsfilm nehmen die Figuren von Stephen Irwin ein, und auch die Tiere aus Symphony no. 42 setzen sich dem auf humorvolle Weise entgegen. Mit einem stark an William Kentridge erinnernden Stil zeichnet Wendy Morris Artefakte aus Illustrationen und ihrer Kindheitserinnerung nach, wobei Orlando's Book kurze Zeit an ein Suchbild aus Kindertagen erinnert. Musik treibt Dynamics of the Subway und Airy Me an - wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise. Ob die Welt noch zu retten ist, kommentiert Momentum mit einem sarkastischen Unterton. Ist es schon zu spät?

O.T.

Österreich2013 04 min Kein Dialog

Bilden Sport und Kunst einen unüberbrückbaren Gegensatz? Sind jugendliche Snowboarder und intellektuelle Avantgardefilmer Personengruppen mit unüberwindbaren Berührungsängsten? O.T. beweist auf vergnügliche Weise, dass beide Fragen mit einem deutlichen Nein zu beantworten sind. Eine elendslange statische Kameraeinstellung lässt schon befürchten, dass wir schon wieder einen anstrengenden „Kunstfilm“ konsumieren sollen, aber dann beweist eine in unglaublicher Exaktheit ausgeführte Snowboard-Fahrt das Gegenteil. Austrian Abstracts meets Landart!

Regie
Markus Scherer

Recycled

Recycled

China2013 05 min 32 sec Kein Dialog

Der Film porträtiert auf unkonventionelle Weise die Stadt Peking und ihre Bewohner. Über Jahre hinweg haben die Regisseure auf einer Müllhalde am Rande der Stadt 35mm-Fotonegative gesammelt, die in der Zusammenstellung ein Zeitbild der letzten 30 Jahre abgeben. Lei Lei verwendet dieses Mal, im Gegensatz zu seinen anderen Arbeiten, bewusst keine Zeichnungen. Die Künstler versuchten die Bilder so originalgetreu wie möglich, also ohne Farb- oder sonstige Bearbeitung, einzusetzen. Ein Bild von Ritualen, Freizeit und Familie entsteht, das Einblicke in die chinesische Gesellschaft gewährt.

Regie
Lei Lei
Drehbuch
Lei Lei + Thomas Sauvin
Kamera
Lei Lei
Musik
Zafka Zhang
Sound
Zafka Zhang
Animation
Lei Lei

The Obvious Child

The Obvious Child

Großbritannien2013 12 min 21 sec Englisch

Stephen Irwin schlägt wieder zu: Seine Bilder sind unverkennbar, die scheinbar harmlosen Figuren seiner Filme entfalten verlässlich ihre gewaltsamen Handlungen. Gute und böse Handlungen verschmelzen ineinander – dieses Mal geht es um eine komplizierte Beziehung eines Mädchens mit ihrem Hasen, der sie wie eine Göttin verehrt. Sie hat aber ein anderes Problem - sie muss ihre toten Eltern in den Himmel schicken. Gott ist aber nicht so leicht davon zu überzeugen.

Regie
Stephen Irwin
Drehbuch
Stephen Irwin
DarstellerInnen
Ron Masa
Sound
Zhe Wu
Animation
Stephen Irwin

Block

Block

GroßbritannienLettland2013 02 min 23 sec Kein Dialog

Wenn auf einen Film die Beschreibung Materialschlacht passt, dann auf Liga Stedas Block. Material hier im ganz wörtlichen Sinne: Flüssigkeiten, Stoffe, Farben, Metall, Erde, Papier. Und dazu ein fast nervtötender Soundtrack. Doch das Zusammenspiel der Materialien, die Zerstörung und die Farben komponieren Bilder, die Assoziationen wecken und über sich hinausweisen. Die Regisseurin beschreibt ihren Film in nur einer Zeile: „Subconscious within subconscious.“

Regie
Liga Steda
Drehbuch
Liga Steda
Kamera
Liga Steda
Musik
Adam Bohman
Sound
Adam Bohman
Animation
Liga Steda

Gloria Victoria

Kanada2013 06 min 56 sec Kein Dialog

Theodore Ushevs Arbeit ist stark im Kubismus und Surrealismus verankert. Jedes einzelne Bild ist einem Gemälde gleich, das sich diesen Strömungen zuordnen lassen würde. Dazu hören wir das nicht minder bedeutungsvolle Invasionsthema aus Schostakowitschs Leningrader Sinfonie. Der Film ist Krieg, Kampf und Widerstand zugleich. Ein Film, der Wut und Brutalität in abstrakten Bildern stark spürbar macht. Gloria Victoria ist Teil einer Trilogie, die sich mit Kunst, Macht und Krieg beschäftigt, und gewann u.a. den FIPRESCI Preis beim Festival in Annecy.

Regie
Theodore Ushev

Dynamics of the Subway / haisuinonasa

DYNAMICS OF THE SUBWAY

Japan2013 04 min 22 sec Kein Dialog

Dynamics of the Subway ist ein Musikvideo für Animal Bodies, das erste Album der japanischen Musikgruppe Haisuinonasa. „Jede Note der Instrumente wird in der Animation durch eine geometrische Form repräsentiert; und während sie sich synchron zur Musik bewegen, formieren sie sich zum U-Bahn-Zug“. (Keita Onishi) In der Tradition von Visual Music bietet die Arbeit eine äußerst genussvolle Reise durch die Polyrhythmik der Formen und Klänge, in der wir schließlich zu einer spektakulären Hochschaubahnfahrt in minimalistischem Schwarzweiß abheben.

Regie
Keita Onishi
Musik
haisuinonasa / Dynamics of the Subway
Animation
Keita Onishi

Momentum

Momentum

Frankreich2012 09 min 20 sec Kein Dialog

Momentum besteht aus einer Serie romantisch-harmonischer Momente in weich-gezeichneten Bildern. Erst auf den zweiten Blick ist erkennbar, dass die fast kitschige Stimmung von Natur und häuslichen Momenten eigentlich Katastrophensituationen abbildet. Im Vordergrund gehen die Menschen ungerührt ihren Tätigkeiten nach, während hinter ihnen die Welt untergeht.

Regie
Naïmé Perrette
Drehbuch
Naïmé Perrette
Kamera
Naïmé Perrette
DarstellerInnen
Pascale Fauveau
Musik
Clovis Labarrière
Sound
Clovis Labarrière, Charlie Sénécaut
Animation
Naïmé Perrette

Orlando's Book

Orlando's Book

Belgien2013 03 min 52 sec Kein Dialog

Wendy Morris deklariert sich als Bewundrerin von William Kentridge, und im Hinblick auf die benutzte Technik ist dies auch offensichtlich erkennbar. In ihren Arbeiten hat sie jedoch eine vollkommen eigenständige Erzählstrategie entwickelt, die sie zugleich als „non-narrativ“, dann aber auch als dokumentarisch und fiktional bezeichnet. In Orlando's Book reflektiert sie, die als Weiße in Südafrika aufgewachsen ist, die Abwesenheit von Bildern aus der eigenen Heimat in ihrer Jugend, da die Bücher meist aus England stammten, und entwickelt ihre eigenen assoziativen Heimatbilder.

Regie
Wendy Morris
Drehbuch
wendy morris
Kamera
jean delbeke
Musik
yannick franck
Sound
yannick franck
Animation
wendy morris

OPTICAL SOUND

Österreich2014 11 min 30 sec Kein Dialog

Die FilmemacherInnen treten bei Optical Sound zunächst in den Hintergrund: aus den Tönen und Geräuschen, die auf Start- und Endbändern von Kinofilmen zu finden sind, wird eine Komposition kreiert, womit die Musik zum Regisseur wird. Dem Lichtton folgen abstrakte Bilder, die die Musik nachzeichnen und visualisieren. Ein Zusammenspiel von Ton und Bild ergibt sich, das Freude beim Zuhören und Zusehen macht.

Regie
Elke Groen, Christian Neubacher

Airy Me

Japan2013 05 min 39 sec Kein Dialog

Yoko Kunos universitäre Abschlussarbeit besticht durch 3.000 naturalistische und in düsterem Farbspektrum kolorierte Handzeichnungen sowie spektakulären permanenten Kamerafahrten. Diese Elemente geben dem beängstigenden Geschehen in einem Krankenhaus, in dem die Ärzte an den Patienten mysteriöse Experimente durchführen, eine alptraumhafte Grundstimmung. Urplötzlich kippt die Handlung in eine rasante Eskalation des Horrors, als die Patientin in ein aggressives Monster mutiert. Die Musik bleibt jedoch traumhaft ruhig, was den Horror der Bilder noch potenziert.

Regie
Yoko Kuno

Symphony no. 42

Symphony no. 42

Ungarn2013 09 min 33 sec Kein Dialog

Symphony Nr. 42 ist die Abschlussarbeit von Reka Bucsi an der Kunstuni MOME (Budapest). Der eher einfache Stil mag auf den ersten Blick den Eindruck eines klassischen Zeichentrickfilmes erwecken. Doch die Narration ist nicht linear, vielmehr werden in 47 Szenen ebenso viele, immer überraschend neue Situationen und Ereignisse gezeigt. Was den Film dennoch nicht auseinanderbrechen lässt, ist die Thematik der Beziehung zwischen Mensch und Tier und eine überbordende, humorvolle Fantasie, die von surrealen Einfällen und lustvollem Spiel mit den grafischen Möglichkeiten geprägt ist.

Regie
Réka Bucsi
Drehbuch
Reka Bucsi
Musik
Flora Matisz
Sound
Peter Benjamin Lukacs
Animation
Sandro Szasa Vago, Nandor Bera, Maja Szakadat, Laszlo Toth, Reka Bucsi