Animation Avantgarde 2

, Stadtkino im Künstlerhaus 77 min

Surreal und exzentrisch, so muten die Filme des zweiten Programms an, und nicht zuletzt performativ: Gesangseinlagen bis zum Höhepunkt zugespitzt (Holy F#&%), zitierte Untergangsstimmung aus der Welt des Web 2.0 vom Videokünstler Björn Melhus (Sudden Destruction), mit Lichtperformances bespielte Räume, die der Wahrnehmung einen Streich spielen (darkroom), oder auch eine Performance digitaler Figuren, die an den Wiener Aktionismus erinnern könnte (Baby, I Love You.). Diese Filme spielen zusammen mit Konzeptarbeiten wie etwa Binary Pitch oder Picture Particles. Die Stile und verwendeten Materialien könnten unterschiedlicher nicht sein: Found Footage, transformierte Realbilder, Zeichenanimation, gemalte Animation und digitale Bilderwelten prallen hier aufeinander. Zuletzt rennen wir mit all diesen Impressionen im Gepäck um den See, gemeinsam mit den zusammengewürfelten Charakteren aus Autour du Lac.

Holy F#&%

Holy F#&%

Kanada2013 07 min Englisch

Holy F#&% ist eine großartig arrangierte musikalische Komposition. Die zarten und expressiven Vokalimprovisationen von mehreren Akteurinnen werden mit dem Liebesakt eines jungen Paares gegengeschnitten, der den dramaturgischen Spannungsbogen liefert. Verstreut über verschiedenste Orte der Welt – private Räume, Vorort, Metropole, Meer, usw. - begegnen wir Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, die Gemeinsamkeit schaffen, indem jede/r auf seine Art die Sprache experimentell erweitert. Dass sie dabei erfrischend ungekünstelt agieren, macht sie äußerst sympathisch.

Regie
Marie Elisa Scheidt
Drehbuch
Marie Elisa Scheidt
Kamera
Marie Elisa Scheidt
DarstellerInnen
Amanda O'Donovan, Charles Bess, Christine Duncan, James M.T, Ori Dagan, Simon Esler, Steven Ross Smith, Yoko Maliszewski, Zak Davis
Sound
Andreas Boschmann

Maze King

Japan2013 07 min 01 sec Japanisch

Eine ungewöhnliche Konstellation von Figuren findet in Hakhyun Kims Film auf einem Karussell zusammen: Ein Clown, ein kleines Mädchen, ein Hund, ein Soldat und ein Transvestit. Sie sagen, sie können nicht mehr bleiben, sie müssen morgen gehen. Absurde Szenen, teils humorvoll, teils irritierend, bewegen sich in einem gezeichneten Setting in der Tradition und Schule von Koji Yamamura und Priit Pärn.

Regie
Hakhyun Kim

Baby, I Love You.

Baby, I Love You.

Vereinigte Staaten von Amerika2012 02 min 25 sec Englisch

„Hyper-Unrealism and Neo-Archetypes“ lautet bezeichnenderweise der Homepage-Untertitel des Ausnahmekünstlers Faiyaz Jafri. Archetypen (u.a. der Popkultur) sind die Materialien, mit denen er gerne spielt, wenn er sie zitiert und pervertiert, wie etwa in seiner früheren Arbeit Hello Bambi. Baby, I Love You. startet bereits leicht irritierend mit dem Bild eines kränklichen jungen Mädchens mit rötlich umrandetem, geschlossenem Mund und Augen im Barbiepuppen-Körper. Nur die naive Grafik auf dem rosa Sweatshirt erinnert noch an die heile Kinderwelt, aus der Bildelemente entlehnt sind.

Regie
Faiyaz Jafri
Drehbuch
Faiyaz Jafri
Kamera
Faiyaz Jafri
Musik
David Barratt
Sound
David Barratt
Animation
Faiyaz Jafri

Binary Pitch

Binary Pitch

Kroatien2013 06 min 45 sec Kein Dialog

Eine hypermoderne Zuschauertribüne wird für eine filmische Performance benutzt. Teil 1, Aktivierung: Tribüne wird herausgefahren. Teil 2, Codierung: Die zentralen Ideen aus Max Benses Ästhetik und Programmierung (1968) werden, symbolisiert durch hoch- oder niedergeklappte Sitzflächen, in Nullen und Einsen übersetzt. Teil 3, Deaktivierung: Tribüne wird eingefahren. Dazu experimentelle elektronische Sounds. Egal ob ernst gemeint oder ironisch, charmant und ästhetisch ist die Arbeit auf alle Fälle.

Regie
Vladislav Knezevic
Drehbuch
Vladislav Knezevic
Kamera
Vladislav Knezevic
Sound
Bojan Gagic
Animation
Mario Kalogjera

Sudden Destruction

Sudden Destruction

Deutschland2012 04 min 20 sec Englisch

Sudden Destruction trägt die klare Handschrift von Bjørn Melhus, der wie in den meisten seiner Filme auch selbst in unterschiedlichen Rollen zu sehen ist. Wir befinden uns in einem Hotel, wo wir seltsame, scheinbar hellseherische Momente erleben. Verschiedene prophetische Monologe kommen aus dem Mund eines zunächst reglos daliegenden Körpers. Ist die Apokalypse schon eingetreten?

Regie
Bjørn Melhus
Drehbuch
Bjørn Melhus
Kamera
Yuki Jungesblut
DarstellerInnen
Bjørn Melhus
Musik
Bjørn Melhus
Sound
Bjørn Melhus

Picture Particles

Picture Particles

Deutschland2014 05 min 40 sec Kein Dialog

Der Einfluss eines am Filmmaterial orientierten Avantgardefilmes ist in Picture Particles von Thorsten Fleisch, früher Student von Peter Kubelka an der Frankfurter Städelschule, deutlich zu spüren. Zuerst sind in einem verkleinerten zentralen Bildausschnitt einzelne Filmkader und zerschnittene Teile davon, natürlich im Kurzschnittverfahren und von irritierenden Störgeräuschen begleitet, zu sehen. Dann öffnet sich der Materialrausch leinwandfüllend. Die digitale Bearbeitung wird erst am Ende durch Kaleidoskop-Effekte sichtbar.

Regie
Thorsten Fleisch
Kamera
Found Footage / unbekannt
Musik
Thorsten Fleisch
Animation
Thorsten Fleisch

DARKROOM

Österreich2014 13 min Kein Dialog

Billy Roisz verbindet in darkroom ihre Performances mit ihrem filmischen Arbeiten. Mit Projektionen vermisst sie den dunklen Raum, lässt doch nur Schemen erkennen, aber erweckt die Räume damit zu neuer Form und Leben. Die abstrakten Projektionen malen auf den Wänden und unterschiedlich geformten Gegenständen. Wir befinden uns in einem Kinosaal, einer Lagerhalle und einer Wohnung, die Dimensionen und die Bedeutungen der Räume bleiben aber im Verborgenen. Wie auch in Billy Roisz anderen Arbeiten sind Bild und Musik hier untrennbar miteinander verwoben.

Regie
Billy Roisz
Kamera
Lisbeth Kovacic
Musik
Dieter Kovacic, Peter Kutin

The Time Tunnel

Schweiz2014 03 min 03 sec Kein Dialog

Ein wahnwitziges Roadmovie, das zu einem abstrakten Gemälde zu verschmelzen scheint. Dirk Koy schnallt eine Kamera an ein Autorad und fährt los – von 0 auf 140 km/h, und das zum treibenden Sound von Boris Blank. Außer Schnitte, Überblendungen und Farbkorrekturen wurden keine digitalen Eingriffe vorgenommen. Die perfekte Symbiose aus real gefilmten Bildern und deren Abstraktion.

Regie
Dirk Koy
Drehbuch
Dirk Koy
Kamera
Dirk Koy
Musik
Boris Blank, Avant Garden, ©2014 extreme music library
Animation
Dirk Koy

1194D

Vereinigte Staaten von Amerika2013 04 min 24 sec Kein Dialog

Raven Kwok, geboren in Shanghai und derzeit in der USA mit seiner Masterarbeit im Bereich „Electronic Art“ beschäftigt, betitelt seine Arbeiten gerne nur mit Zahlenkombinationen und interessiert sich vor allem für die Erforschung der „generativen visuellen Ästhetik von Computeralgorithmen und Software-Prozessen“. In 1194D lässt er den Rechner aus Dreiecken „algorythmische Kreaturen“ generieren, die sich zumeist in einem zentralperspektivischen Rasterraum bewegen und dabei ein faszinierendes pseudo-organisches Leben entfalten, das mitunter an wuchernde Zellstrukturen erinnert.

Regie
Raven Kwok
Musik
+ (from elementperspective)

Montenegro

Großbritannien2013 07 min Englisch

Mit dem zeichnerischen Minimalismus eines Nicolas Mahler erzählt Luiz Stockler von den existenziellen Krisen und Selbstzweifeln seiner Hauptfigur, einem kleinen roten Männchen, das einsam in einem kleinen Haus am Rande des Abgrundes lebt. Er träumt, er hätte mit seinem Hund Sex gehabt, und fragt sich jetzt natürlich, ob das noch normal ist. Auch Haare sind ein Thema: sie fallen aus. Und überhaupt, nach dem Surfen im Internet ist er davon überzeugt an postnataler Depression zu leiden. Aber sein Arzt nimmt ihm das nicht ab und empfiehlt ihm Gymnastikübungen. Wie soll das helfen?

Regie
Luiz Stockler

Toto

Toto

Polen2013 12 min Polnisch

Toto erzählt die Geschichte eines Buben, der irgendwo am Land nur mit seiner hart arbeitenden Mutter aufwächst. An einem sonnigen Sommertag beendet in der Dunkelheit eines Schuppens die traumatisierende Begegnung mit einer mysteriösen Fremden die Unschuld der Kindheit. Ein Teil der Bedrohlichkeit liegt wohl auch in der Verwirrung und Unklarheit, die „das Unaussprechbare“ des Geschehenen andeutet. Czapla gestaltet das Geschehen in einem expressiven malerischen Stil, mit dem er zuvor gedrehte Realszenen auf eine sich der Abstraktion annähernde Ebene hebt.

Regie
Zbigniew Czapla
Drehbuch
Zbigniew Czapla
Kamera
Zbigniew Czapla
DarstellerInnen
vocal: Maja Kleszcz
director asistent: Anna Karus
Musik
Gosja Isphording
Sound
Jaroslaw Konopka
Animation
Zbigniew Czapla

Autour du lac

Around the lake

Belgien2013 05 min 05 sec Französisch

Ein großartiges Beispiel für perfektes Zusammenspiel von Bild und Musik, fast so symbiotisch wie ein Musikvideo – aber doch mehr als das! Der Song, der wie eine Hymne an den See erscheint („Je marche autour du lac!“ - Ich laufe um den See), und die einfach gemalten und gezeichneten Animationen sowie die Figuren, die aus der Phantasie eines Kindes stammen könnten, ergänzen sich im Humor und im Timing und werden zu einem wunderbaren Ensemble.

Regie
Carl Roosens, Noémie Marsily