Österreich Wettbewerb 2Zeitgefühl

, Stadtkino im Künstlerhaus 73 min

Eine dokumentarische Miniatur in völliger Stille, das sinnliche Porträt einer Malerin, die langsam ihre Sehkraft verliert, und eine rasante Architektur-Studie aus Einzelbildern. Dazu ein Kunst-Manifest, frei interpretiert in einem achtminütigen Pop-Song, und eine Fake-Dokumentation, die die schmale Kluft zwischen österreichischer (Medien-)Realität und Fiktion aufzeigt. 75 Minuten zwischen Stille und Lärm, Schärfe und Unschärfe, Realität und dem, was man dafür halten mag. Im zweiten Programm des Österreich Wettbewerbs spielen fünf Kurzfilme mit unserer Wahrnehmung und fordern unsere Sinne heraus.

presented by superfly

LAERM UND STILLE

Österreich2013 03 min 37 sec Kein Dialog

"Es gibt vielerlei Lärm, aber nur eine Stille." Dieses Zitat Kurt Tucholskys stellt Nicola von Leffern an den Anfang ihrer dokumentarischen Miniatur. Wir sehen schwangere Frauen, die sich vor Schmerzen krümmen, eine Entbindung im Kreißsaal, schreiende Neugeborene und die Erholung nach der Geburt. Auf der Tonebene herrscht durchgehend Stille. Durch das bewusste Weglassen der Geräusche gewinnen die vertrauten Bilder an Kraft, nur selten waren Schmerzen und Freude in knapp vier Minuten so intensiv spürbar.

Regie
Nicola von Leffern
Drehbuch
Nicola von Leffern
Kamera
Nicola von Leffern

Noema

Noema

Österreich2013 28 min 45 sec Deutsch

Ein enger Lichtspalt, nur zögerlich findet sich der Blick im Raum zurecht. Noema ist ein Portrait über die 93-jährige Künstlerin Tatjana Gamerith, die langsam ihr Augenlicht verliert. Sie zeichnet nur noch intuitiv, mit der Routine ihrer Hände, doch ihr Geist ist hellwach, wenn sie von ihren Träumen und ihrer eigenen Wirklichkeit fabuliert. Die Kamera, ständig mäandernd zwischen Schärfe und Unschärfe, setzt die Gedanken der Malerin, die Schnittpunkte zwischen Realität und Sinneswahrnehmung, filmisch perfekt um. Ein ruhiger Film, wie ein Sog.

Regie
Christiana Perschon
Kamera
Christiana Perschon
DarstellerInnen
Tatjana Gamerith
Sound
Christiana Perschon

WOTRUBA

Österreich2014 06 min 29 sec Kein Dialog

Die "Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit", ein Ungetüm aus Beton und Glas am Rande Wiens, entworfen vom bekannten Wiener Bildhauer Fritz Wotruba, ist der Namensgeber zu Thomas Draschans Stop-Motion-Dokumentation. Mit der Fotokamera vermisst er das kubistische Bauwerk, innen und außen, bei Tag und bei Nacht und im Laufe der Jahreszeiten. Bild für Bild wird die Kirche filmisch erfahrbar und richtig spürbar, das Aneinanderreihen der Einzelbilder führt zu einer Verdichtung der Zeit und erzeugt eine dynamische Architekturstudie.

Regie
Thomas Draschan
Drehbuch
Thomas Draschan
Kamera
Thomas Draschan
DarstellerInnen
Lea Marie Frank
Sound
Holrich Gelken

Less Point More Cornerstone

Less Point More Cornerstone

Österreich2013 08 min Deutsch

Art Rocks! Die Künstlerin Suzie Léger hat mit sieben Kolleginnen aus dem Kunstmanifest Das Kriterium der Avantgarde (1977) von Franz Kaltenbeck ein Musikvideo zwischen Rockpose und Performance gemacht. Den komplexen Text, der sich mit Strategien der Avantgarde befasst, verwandelt der Frauenchor mit einem entspannten Beat zur Rausschmeißer-Nummer für Schunkelpartys schwermütiger Philosophiestudis. Ebenso humorvoll wie gewitzt.

Regie
Suzie Léger
Drehbuch
Suzie Léger
Kamera
Lukas Schöffel
DarstellerInnen
Rine You, Lisa Kortschak, Verena Duerr, Nicole Weniger, Barbara Ruder, Katarina Csaniyova, Heidelinde Fial, Suzie Léger
Musik
Rine You, Suzie Léger
Sound
Daniela Riedl

DER SENDER SCHLÄFT

Österreich2013 25 min 48 sec Deutsch

Der Kultursender ORF III lädt den Künstler Christoph Schwarz ein, auf dem Küniglberg ein "Fernsehkunstwerk" zu realisieren. Einquartiert in einem leerstehenden Büro, führt er ein Video-Tagebuch, in dem er "selbstreferentiell die Aufgabenstellung thematisiert". Sein anfänglicher Idealismus endet in einer Konfrontation mit Werbeminuten, Management-Sprech, Product Placement und der eigenen Käuflichkeit. Die zahlreichen Seitenhiebe auf die heimische Medienlandschaft machen diese flotte Mockumentary selbst zu einem Fernsehkunstwerk, das den besten Sendeplatz verdient hat.

Regie
Christoph Schwarz
DarstellerInnen
Hubsi Kramar
Judith Revers
Karoline Boehm
Johanna Hieblinger
Renfah