Animation Avantgarde 1

, Stadtkino im Künstlerhaus 79 min

Das erste Programm beschäftigt sich mit Alltäglichem, mit Randerscheinungen und Situationen, die zunächst nicht sehr bedeutsam erscheinen. Auf Plätzen in der Stadt, im Atelier oder in menschenleeren Filmbildern kommt oft Verborgenes zu Tage, doch erst in der künstlerischen Bearbeitung werden solche Momente auch erfahrbar. Bei Setpausen während eines Filmdrehs denkt man an Stillstand oder Langeweile;nicht so Steven Woloshen, der diese mit Filmmaterial und viel Bewegung füllt. In unermüdlicher Arbeit an Fotos und Filmbildern bringt Apariciones Faszinierendes hervor, die Fragilität der bewegten Strukturen in Sweeping Memories verbindet sich mit der Musik zu einem abstrakten Tanz, und Boogodobiegodongo unterhältmit dadaistischer Leichtigkeit. Verwobene Blicke auf die Darstellung der Frau bieten Michel Klöfkorn und Magda Matwiejew, und wir lachen mit den Außenseitern, die am Ende Sieger sein werden!

1000 PLATEAUS

Kanada2014 03 min 21 sec Kein Dialog

Das Werk als Nebenbei-Handlung, als spielerischer Zeitvertreib neben den „großen“ Produktionen. Steven Woloshen zeichnet und kratzt auf dem Material, während sein Brotjob eine Pause macht und er – im Auto sitzend und Straßenkarten imaginierend – am Filmset auf die Schauspieler und die Crew wartet. Zu jazziger Musik entwirft er einen neuen Direct Film, der wunderbar leicht daher kommt und Erinnerungen an Len Lye und Norman McLaren erwachen lässt.

Regie
Steven Woloshen
Drehbuch
Steven Woloshen
Musik
Lionel Hampton
Animation
Steven Woloshen

Anomalies

GroßbritannienJapan2013 03 min 04 sec Kein Dialog

Atsushi Wada konfrontiert uns ein weiteres Mal mit Ritualen, die sehr bedeutungsvoll scheinen – deren Sinn wir aber kaum erahnen können. Ein Stoßgebet im richtigen Moment, zu Techno-Musik vollführte Choreographien und das immer wieder in seinen Filmen vorkommende Buben-Trio, das verschiedene Experimente macht und diese dann mit konspirativer Stimme analysiert. Und was wären Wadas Filme ohne Tiere!

Regie
Atsushi Wada
Drehbuch
Atsushi Wada
Musik
Miki Sakurai
Sound
Masumi Takino
Animation
Atsushi Wada

Tentative d'épuisement d'un lieu parisien

An attempt at exhausting a place in Paris

Frankreich2013 04 min 40 sec Kein Dialog

Ein Platz in Paris, ein Durchgang, eine Grünfläche und ein Straßenabschnitt. Yann Chapotel untersucht über die Jahreszeiten hinweg die Bewegungen und Veränderungen des Platzes in perfektionistischer Kleinstarbeit. Akkurat geht eine Bewegung in die andere über, wir erleben die verschiedensten Charaktere und Persönlichkeiten, die tagtäglich den Platz überqueren oder sich dort aufhalten. Es entsteht eine verdichtete Raumstudie, die wie ein Suchbild Lust auf Entdeckungen macht.

Regie
Yann Chapotel
Kamera
Yann Chapotel
DarstellerInnen
Paula Pichintini
Léonard Chapotel
Sound
Yann Chapotel
Animation
Aurore Rousset

Atelier 1.0

Studio 1.0

Frankreich2013 01 min 15 sec Kein Dialog

Eine Miniatur im Studio, eine Irritation, ein Spiel mit digital und analog. Wunderbar passend zu unserer Idee von Animation Avantgarde erscheinen Elemente wie Filmmaterial, realer Raum und digitale Animation in einem Bild und vollführen eine kleine Choreographie. Am Ende fragt man sich: war das real oder ein Traum?

Regie
Richard Negre
Drehbuch
Richard Negre
Sound
Richard Negre
Animation
Richard Negre

APARICIONES

ERSCHEINUNGEN

Österreich2014 23 min 16 sec Englisch

Der Begriff „Erscheinungen“, der in Maria Luz Olivares‘ Geburtsland Argentinien gerne mit Religion und damit dem Übersinnlichen verknüpft ist, bildet den roten Faden für die technisch und inhaltlich vielfältigen Untersuchungen zum Film als Illusionsmaschine. Der Genregrenzen aufbrechende Bogen spannt sich von extrem zeitaufwändig handgefertigten Direct-Film-Sequenzen bis zum meisterlich inszenierten komplizierten Realfilm. Das verbindende Element ist wohl das faszinierte Staunen, das der Film in uns auslöst.

Regie
Maria Luz Olivares Capelle
Drehbuch
Maria Luz Olivares Capelle
Kamera
Maria Luz Olivares Capelle, Almut Schilling, Lucia Hoffer, Serafin Spitzer
DarstellerInnen
Luis Casanova Sorolla, Saha Gregorchuk, Julian Oroz, Susana Inés Capelle, Julia Reimer, Sarah Reimer, Inti-Felippa Crespín, Valentin Hütter, Jolly Cyriac,
Ana Perkovic, Clara Petchersky, Natanja Eilen, Christina Kasper, Anna Grüssinger, Nadia Nöhrer, Bia
Sound
Lenja Gahtman
Animation
Maria Luz Olivares Capelle

SWEEPING MEMORIES

Vereinigte Staaten von Amerika2012 03 min 28 sec Kein Dialog

Sweeping Memories“ ist eine außergewöhnliche Arbeit des Künstlerinnen-Duos Bonnie Mitchell (Computeranimation) und Elainie Lillios (Musik, Sounds). Unter anderem mit Mitteln der „particles animation“, bei der kleine Elemente zu größeren räumlichen Strukturen arrangiert werden, erzeugt Mitchell virtuelle Räume, die aber immer wieder Bezüge zur realen Welt aufweisen. Die Klangebene pendelt zwischen elektronischen Sound, Alltagsgeräuschen und Vokalklängen. So entsteht ein verwirrendes und faszinierendes Universum zwischen synthetisch Erzeugtem und aus dem realem Erleben Bekanntem.

Regie
Bonnie Mitchell, Elainie Lillios

Los Andes

Chile2012 04 min 02 sec Spanisch

Joaquin Cocina und Cristobal León sind Animation Avantgarde-Fans als Gewinner des Hauptpreises 2010 für Luis und Luzia bekannt (gemeinsam mit Niles Atallah). Los Andes, Teil einer vierteiligen Arbeit mit dem Titel The Third World, wurde 2013 bei der Biennale in Venedig im Südamerika-Pavillon gezeigt. Auf der Bildebene geht es um die Verwilderung eines zivilisierten Raumes durch eine Art Urgeist. Schreibtisch und PC werden überwuchert, die wilde Figur wächst sich aus zum Riesen, um schließlich wieder zu verschwinden.

Regie
Cristobal Leon and Joaquín Cociña

Mount Song

Mount Song

IndienVereinigte Staaten von Amerika2013 08 min 48 sec Kein Dialog

Eine Hommage an das indische und asiatische Geister- und Horrorkino. Der Regisseur, stark beeinflusst von dieser Kinokultur, beschäftigt sich mit dem Aufbruch und der Wiederverwendung der entsprechenden Bilderwelten. In Mount Song verwendet er Bilder aus dem Hongkong-Kino der 70er und 80er Jahre, das auch in Indien sehr stark verbreitet war, und konzentriert sich auf die gebauten Sets und Special Effects aus diesen Filmen. Die Bilder lösen ein starkes Gefühl von Erwartung und Bedrohung aus. Ein Film wie die Ruhe vor dem Sturm.

Regie
Shambhavi Kaul

The North Sea Riviera

Großbritannien2013 11 min 20 sec Englisch

Die 3D-Computeranimation ist die Abschlussarbeit von Josh Wedlake am Royal College of Arts in London. Als zeitlich-räumlichen Rahmen wählte er einen nostalgischen Blick auf die britische Ostküste in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die tristen Szenarien sind geprägt von übersteigerter Architektur, neben Reihenhäusern haben ein leerstehendes öffentliches Schwimmbad und der gigantische, menschenleere Luxusliner symbolische Bedeutung für die beiden verzweifelten Protagonisten. Eine Geschichte über „das Leben, die Liebe und den Wahnsinn“, sagt der Autor.

Regie
Josh Wedlake
Drehbuch
Josh Wedlake
Kamera
Josh Wedlake
DarstellerInnen
Martin Bishop - Narrator
Sound
Mike Wyeld, Luke Shrewsbury
Animation
Josh Wedlake

RECENTLY IN THE WOODS

RECENTLY IN THE WOODS

Deutschland2013 01 min Kein Dialog

Letztens im Wald, trifft ein Einhorn auf zwei Keinhörner – und wird ausgelacht. Das Fabeltier schwört bittere Rache. Eine verspielt animierte Märchenminiatur, kurz, bunt und schön fies. Watch out for the giant strawberries! Mit Recently in the Woods hat Animation Avantgarde wieder einmal eine kleine dadaistische Spaß-Miniatur im Programm, die unserem Publikum (nach möglicherweise etwas schwererer Kost) nicht zuletzt Auflockerung und Vergnügen bringen soll. Die toll gezeichnete Arbeit über zwei hämische Pferde und ein kleines Einhorn illustriert die tiefschürfende philosophische Erkenntnis des „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“ Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.

Regie
Daniel van Westen
Drehbuch
Daniel van Westen
Kamera
Daniel van Westen
DarstellerInnen
-
Musik
-
Sound
Daniel van Westen
Animation
Daniel van Westen

Morphette

Morphette

Australien2013 06 min 36 sec Kein Dialog

Morphette stellt die Frage nach dem Bild der Frau anhand von Darstellungen in Gemälden aus dem 19. und 20. Jahrhundert. In diesen Gemälden wurden Frauen symbolhaft als engelsgleich oder als böse bis teuflisch dargestellt. Man sieht sie oft in der Natur, aus Bäumen herauswachsend oder in Reben gehüllt; die Natur scheint ihnen näher zu sein als die „zivilisierte Welt“. Die Animation arbeitet mit Second Life Frauen-Figuren, die sich in nachgebauten Settings der Gemälde bewegen, und weist damit auch auf die sexualisierte Darstellung des weiblichen Körpers in Games hin.

Regie
Magda Matwiejew
Drehbuch
Magda Matwiejew
Kamera
Magda Matwiejew
DarstellerInnen
animated
Musik
Paul Fletcher
Sound
Paul Fletcher
Animation
Magda Matwiejew

x-x-xx--x--gewobenes Papier

Deutschland2014 05 min 54 sec Kein Dialog

Michel Klöfkorn ist ein Systematiker, der stets schaut, was dahinter liegt: Mit x-x-xx--x--gewobenes Papier schuf er eine Arbeit, die sich neuerlich mit Papier auseinandersetzt, wichtig dabei: es ist bedrucktes Papier. In seinem letzten Film entstanden frische Bilder durch das Herausschneiden von Schichten aus Kunstbänden. Nun sind Magazinbilder von Frauen in Streifen zerlegt und setzen sich immer wieder neu zusammen. Im Zusammenspiel der Schnipsel entsteht ein gewobenes, neues Bild.

Regie
Michel Klöfkorn

BOOGODOBIEGODONGO

Großbritannien2012 04 min 08 sec Kein Dialog

Der Titel lässt bereits ahnen, was da kommen wird: eine lustvolles, fast kindisches, scheinbar chaotisches Geschehen, das beim zweiten Mal Hinsehen doch eine Struktur erkennen lässt. Zu einer rasant montierten Toncollage aus Stimmengebrabbel, Zirkusmusiken und weiteren musikalischen Quellen werden an Kinderzeichnungen erinnernde Figuren, mit dem dicken Pinsel gemalt, rasant schlampig animiert. Peter Millard liefert ein provokantes Anti-Statement zum brav konsumierbaren Trickfilm, das dem Begriff Animation Avantgarde alle Ehre macht. Viel Spaß!

Regie
Peter Millard
Musik
Peter Millard, Antonio Zimmerman
Sound
Peter Millard, Mike Wyeld
Animation
Peter Millard