Spotlights

Eine eigene Handschrift, ein auffälliger Gestaltungswille, historische Errungenschaften oder völlig neue Blickwinkel: Mit ausführlichen Personalen oder Filmreihen würdigen wir jene VertreterInnen der kurzen filmischen Form, die dem internationalen Kurzfilmschaffen – entweder ganz aktuell oder über lange Jahre – mit herausragender Arbeit ihren Stempel aufdrücken oder aufgedrückt haben.

Einer, der eine wesentliche Rolle für den Kurzfilm in Österreich gespielt hat, war Peter Konlechner, der vor 52 Jahren die erste Internationale Kurzfilmwoche realisierte. Gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum versuchen wir, Konlechners Pionierarbeit zu würdigen und die Qualität der Filmschau von einst in zwei Programmen zu verdichten.

Das zweite Spotlight wiederum ist keiner Person gewidmet, sondern blickt hinter die Fassaden der digitalen Film- und Medienkunst. Robert Seidel, bereits 2012 Artist in Residence bei VIS, vereint in zwei Filmprogrammen internationale KünstlerInnen, die sich digitalen Arbeitsmitteln ästhetisch-konzeptionell nähern, und erläutert in einer Masterclass seine eigene hochgelobte Arbeit.

Penetrating Surfaces

Geistererscheinungen im digitalen Raum

Die Verfahren und Metaphern der digitalen Bildverarbeitung wurden in den 1950er Jahren vom Militär entwickelt. Im Lauf eines halben Jahrhunderts sind sie mit fast allen menschlichen Arbeits- und Schaffensprozessen verwachsen: Computer, Smartphones, Digitalkameras sind nicht mehr von der Gesellschaft und der Idee ihrer andauernden Optimierung zu trennen. Im Gegensatz zu den traditionellen Künsten und Kulturtechniken, die den Einfluss des jeweiligen Werkzeugs auf das Resultat analysieren, werden jedoch in der digitalen Bildproduktion die inhärenten ästhetischen Möglichkeiten und „Materialien“ selten künstlerisch reflektiert.

Die aus zwei Programmen und einer Master Class bestehende Schau Penetrating Surfaces sucht den „Geist in der Maschine“. Im kommerziellen Rahmen verrichtet dieser meist stumm seine Arbeit, auftretende Fehler sind systembedingt unerwünscht. Die hier versammelten internationalen Künstlerinnen und Künstler hingegen nehmen ihr Werkzeug, das algorithmische Mysterium der „Black Box“, frontal in den Blick und fordern es im ästhetischen Sinne.

Beispiele für solche Arbeitsweisen finden sich etwa in der virtuellen Zerlegung des realen Künstlerateliers von Takeshi Murata und Billy Grant (USA) oder in den fiebrigen Enzyklopädien Yves Netzhammers (Schweiz), die mit chirurgischer Präzision universelle Gesellschaftsbeobachtung betreiben. Saskia Olde Wolbers (Niederlande) wiederum arbeitet mit vermeintlich sterilen, der Computergrafik verwandten Räumen, die jedoch auf analogem Wege entstehen und fiktional aufgeladen werden. Im Dialog mit kunstgeschichtlichen Positionen und Strömungen entstehen so neue Bildwelten, changierend zwischen unerwartetem Artefakt und artifizieller Schönheit. Die Oberfläche dessen, was kommerzielle Software anstrebt – in Echtzeit berechneter Fotorealismus – wird durchstoßen. Und die Realität schimmert durch die Schichten ihrer mathematischen Zerlegung.

Kuratiert von Robert Seidel

Eine gemeinsame Veranstaltung von VIS und dem Österreichischen Filmmuseum

© Österreichisches Filmmuseum

"Weil es sonst niemand tut"

Peter Konlechner und die Internationale Kurzfilmwoche 1962

„Warum gerade wir? [...] Die Antwort ist provokant einfach: Weil es sonst niemand tut!“, begründete Peter Konlechner 1962 seine Pionierleistung: Die von ihm organisierte „Internationale Kurzfilmwoche“ in Wienmachte viele zentrale Künstler und Strömungen des Kurzfilms erstmals hierzulande sichtbar. Sie führte auch zum Kennenlernen von Konlechner und Peter Kubelka, die bald darauf das Österreichische Filmmuseum gründeten. Als Tribut an diese Vorstufe zur Zündung der Filmmuseums-Rakete verdichten zwei Auswahlprogramme die erstaunliche Qualität und Vielfalt der Kurzfilmwoche 1962. Ziel war auch, hierzulande selten gezeigte Arbeiten ins Gedächtnis zu rufen, mit Agnès Vardas großem Frühwerk L'opéra mouffeals Ausnahme und direkter Anknüpfung an Hauptprogrammlinien des Filmmuseums.

Ein Querschnitt eines Zeitraums zwischen Aufbruch und Einschließung als Lebensgefühl, ausgehend von Arthur Lipsetts rasanter Oscar-nominierter Collage zum urbanen Lebenschaos, Nice, Very Nice: Sinnliche Stadtstreifzüge am Vorabend und Ende des Daseins (bei Varda und in Peter Pewas' altersweiser Miniatur), dazwischen ein Leben im von „Herr Rossi“-Schöpfer Bruno Bozzetto gezeichneten Schnelldurchlauf; der soziale Umbruch auf Dänemarks Weg zum Wohlfahrtsstaat und durch „Il boom“ in Italien, dokumentiert von den Meisterregisseuren Henning Carlsen und Ermanno Olmi; animierte Ausbruchsversuche vom Anarchisten VladoKristl und dem bahnbrechenden Duo Borowczyk/Lenica; die kosmopolitischen Kontraste von Jean-Daniel Pollets exquisiter Tanzklub-Tragikomödie Gala und die komische Gegenüberstellung von Mensch und Tier in Bert Haanstras Zoo; schließlich das Ineinanderfallen von Aufbau und Abriss eines Hauses in Louis van Gansterens Zeitstrudel, durch den die Geschichte zweier Generationen von Bewohnern treibt.

Kuratiert von Christoph Huber

Eine Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum