Endstation: Himmel

Eine Filmkritik von Sophia Katharina Freiheit

Was geschieht nach dem Tod, was passiert mit unseren Seelen und welche Rolle spielt unsere Religion oder unser Glaube dabei? Mit dieser und weiteren Fragen beschäftigt sich der Film The Obvious Child von Stephen Irwin. Alles fängt ganz harmonisch an – blinkende bunte Lichter, starke Farben und klassische Musik laden den Zuschauer zum Träumen ein. Bis der kleine Stoffhase seinen Kopf aus dem Baumstamm zieht. Die märchenhafte Atmosphäre bricht und eine andere, grausame Welt eröffnet sich.

Ein kleines Mädchen versucht verzweifelt, die menschlichen Überreste ihrer verstorbenen Eltern Richtung Himmel zu befördern. Dabei sind ihr alle Mittel recht und so nimmt ein pietätloses Spiel seinen Lauf. Um mit dem Himmel Kontakt aufzunehmen, muss zunächst immer ein unschuldiges Geschöpf sterben, dessen Seele von der Erde abgeholt wird. Nach langen Diskussionen ist Gott aber noch immer nicht bereit, die verstorbenen Eltern des Mädchens aufzunehmen. Viele manipulative Versuche scheitern, den allwissenden Gott zu betrügen.

Das Mädchen ist noch jung, wirkt aber dennoch reif und rebellisch. Es wird keine emotionale Bindung zu ihren Eltern deutlich, vielmehr scheint sie ihre Eltern verflucht und gehasst zu haben. Durch eine Rückblende sieht der Zuschauer, dass auch der Freund des Mädchens, der Hase, eine grausame und mörderische Vergangenheit hat. Gemeinsam bilden sie ein skurriles und verstörendes Team. Moral- und Wertvorstellungen sind fehl am Platz. Das Mädchen raucht ständig und lässt sich von dem Hasen auch nicht mit der Warnung: "You'll get cancer", davon abhalten.

Um das Problem mit den Leichen schließlich zu lösen, bleibt dem Hasen nichts anderes übrig, als sich Körperteile abzuschneiden und die Leichenteile in der Blutlache zu ertränken. Am Ende stirbt der Hase an den Folgen seiner Verletzung. Das Endzitat "Fuck Satan – Peace be with you", scheint letztendlich doch ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Eine klare Aussageintention des Regisseurs wurde mir dennoch nicht bewusst. Trotzdem hat der Film Unterhaltungscharakter und ist nicht zuletzt wegen seiner unverkennbaren Animationstechnik ein "Augenschmaus".

Die Geschichte wird von einer Voice-Over-Stimme des Hasen erzählt. Dies verstärkt den Eindruck einer Märchenerzählung. Diegetische Geräusche machen den Film zusätzlich authentischer. Die farbenfrohen Bilder wurden von Irwin mithilfe einer Zeichenanimation verknüpft. Die Protagonisten sind abstrakte Wesen, haben aber beide auch menschliche Charakterzüge. Insgesamt ein gelungener, humorvoller aber auch etwas fragwürdiger Film, der den Zuschauer ein wenig zum Nachdenken anregt.