Ein Fuchs erschießt sich

Eine Filmkritik von Clemens Burghofer

Symphony No. 42 erinnert im ersten Moment rein visuell an einen klassischen Zeichentrickfilm. Durch die fast vollkommen ausbleibende Handlungsebene wird dieser erste Eindruck allerdings sehr bald zerstört. Narrativ bietet der Film zwar nicht wirklich die große Erfüllung, das immer wiederkehrende Element der Beziehung zwischen Mensch und Tier ersetzt die fehlende durchgehende Handlung aber vollkommen.

Die studentische Abschlussarbeit von Réka Bucsi besteht aus 47 aneinandergereihten Szenen, in denen verschiedenste Tiere an Stelle von Menschen agieren oder irgendwie mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Durch die ungewöhnlichen Darstellungen wirken die Situationen schräg und witzig. Angelnde Eisbären, ein sich erschießender Fuchs, oder ein anderer Fuchs als Stola um den Hals einer Frau und noch zahlreiche andere Absurditäten. Die Überblendungen finden durch verschiedene visuelle und auditive Assoziationen statt, wodurch der Zuschauer beinahe nahtlos zur nächsten grotesken Szenerie geleitet wird. Die Mise en Scéne ist gespickt mit fantasievollen, teilweise etwas abstrakten Details, die dem Bild eine interessante und anregende Note geben. Es wirkt alles unabhängig voneinander auf den Betrachter ein. Jedes Tier, jedes Detail existiert und erweckt ein unkontrollierbares Gefühl.

Bucsis gut neun minütiges Werk zeigt, dass nur die kleinste Bewegung oder Aktion das Umfeld beeinflussen und sich dadurch eine Situation zu ihrem völligen Gegenteil entwickeln kann. Der Film visualisiert dies in einer aufregenden Einfachheit und Direktheit. Parallel zu der Beziehungsthematik zwischen Mensch und Tier ist der Wald ein wiederkehrendes Motiv, der aber nicht wie üblich einen Rückzugsort kennzeichnet, sondern sich von diesem Ruf befreit.

Symphony No. 42 von Réka Bucsi ist ein gelungener, ungewöhnlicher Kurzfilm der nicht nur aufgrund der originellen Idee der Regisseurin, sondern auch durch die ausgereifte Umsetzung und die sehr charakteristische und eigenwillige Art, besticht. Ausgehend von der Grundidee hat der Film von Anfang an eine gewisse Eigendynamik, die zudem noch sehr humorvoll ist und immer wieder für Schmunzeln sorgt. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Kurzfilm der ohne zu übertreiben ganze neun Minuten Vergnügen mit sich bringt.

Individuelle Bilderkomposition des menschlichen Verhaltens

Eine Filmkritik von Milena von Stosch

Réka Bucsis Kurzfilm Symphony no. 42 ist eine neuartige Komposition von Bildern und kleinen Geschichten, welche – scheinbar willkürlich aneinander gereiht – kuriose Szenen aus der Vielfalt einer Welt offenbaren, die der unsrigen sehr ähnlich ist. Stark zugespitzt eröffnen sie Beobachtungen, die sich mit der Relation von Mensch und Natur und anderen unvermittelt sichtbar werdenden Verbindungen beschäftigen. Oftmals regelrecht abstruse Situationen und Reaktionen bringen einen zum Schmunzeln und ermöglichen gleichzeitig einen ganz speziellen Blickwinkel auf alltägliche wie auch weniger gewöhnliche Dinge.

In diesem Animationsfilm sind zumeist Tiere mit sehr menschlichen Zügen die Protagonisten. Direkt zu Beginn gibt sich ein schlauer Fuchs nach philosophischen oder physikalischen Überlegungen auf einem Blatt Papier die Kugel. Viele weitere Szenen dieser Art gestalten den Film: Auf der Zeichnung des Fuchses ist zum Beispiel ein Auge in einem Dreieck zu sehen, umgeben von symmetrischen Planet-Umlaufbahnen. Diese beginnen sich zu bewegen, nachdem der Fuchs sein Papier an einen Baum geheftet hat.

Nach einem ähnlich undurchsichtigen und doch irgendwie in seiner Irrationalität regelmäßigen Muster reihen sich die Geschehnisse der einzelnen kleinen Szenen aneinander. Eisbären sitzen an einem Fluss und angeln, als ein Schuss fällt. Eine Frau schneidet die Leine eines Hundes durch, der an einer Ampel auf die andere Straßenseite laufen will, und vieles mehr. Ausgangspunkt ist der Wald, in dem der Fuchs sich befindet, und zu ihm kehrt der Zuschauer nach seiner kleinen Reise durch das Universum der menschlichen Verhaltensweisen auch wieder zurück. Ein genialer ungewöhnlicher kleiner Ausflug.