Eine Fahrt ins Nichts

Eine Filmkritik von Sita Urban

Musik visuell sichtbar machen – dieser Herausforderung hat sich Keita Onishi gestellt. Zur Musik der japanischen Band „Haisuinonasa“ hat er ein minimalistisches Animationsvideo geschaffen, in dem geometrische Formen anstelle von Noten gesetzt wurden. Aus den einfachen Formen, die sich passend zum Rhythmus der Musik bewegen, setzt sich nach und nach ein größeres Bild zusammen, das permanent in Bewegung ist. Jede Form repräsentiert einen anderen Ton.

Der Film startet mit einer einzelnen, weißen Linie und einer weißen Kugel, die darauf auf und ab hüpft und an das frühere Computerspiel „Ping Pong“ erinnert. Nach und nach erscheinen mehr Formen im Bild, die Kombinationen werden zunehmend komplexer. Nach den Anfangsmomenten wird eine Art Zugwaggon, eine U-Bahn erkennbar. Diese fährt, dem Takt und Tempo der Musik angepasst, durch den schwarzen Raum, Ziel unbekannt. Der Hintergrund wechselt zwischen Schwarz und Weiß, genau wie die zusammengesetzte U-Bahn. Der Zug ändert sich ständig, jede Einstellung ist anders. Ein besonders schöner Moment ist der erste Farbwechsel des Hintergrundes: Die U-Bahn  fährt zunächst mit vollem Tempo auf eine kreisrunde Öffnung zu; als sie diese erreicht, wird der Hintergrund weiß, die U-Bahn fährt aus dem schwarzen „Tunnel“ hinaus und begibt sich ins Licht, der Waggon zerfällt. Die einzelnen Fragmente schwirren durch den weißen Raum, setzen sich dann wieder zusammen, und die Bahn fährt wieder ins Schwarze.
Die Musik mag zwar zwischenzeitlich in den Hintergrund geraten, doch die Gedanken finden durch die perfekte Symbiose aus Bild und Ton immer wieder zur Musik zurück. Der Song ist generell ruhig und vermittelt ein Gefühl der Unbeschwertheit, sanfte Pianoklänge ziehen sich durch das ganze Werk hindurch.

Der Film nimmt den Zuseher mit auf eine Reise – eine Reise, die manchmal schneller ist, manchmal langsamer vorangeht, zunehmend intensiver wird und wieder so endet, wie sie begonnen hat: ruhig und unbeschwert. Es ist ein Musikvideo der besonderen Art – minimalistisch und doch so extravagant.