Dunkle Phantasien

Eine Filmkritik von Veronika Haider

Animation Avantgarde 2, eines der vielen Programme der Vienna Independent Shorts, präsentierte heuer 12 Kurzfilme, die exzentrischer nicht sein könnten. Unter anderem den 13-minütigen Film darkroom von Billy Roisz, der nicht nur durch seine Länge hervorstach. Mit ihm ist Roisz durch scheinbar wenig viel gelungen. Sie macht sich mit dem Film auf eine Reise in die Dunkelheit, genauer gesagt in eine Lagerhalle, einen Kinosaal und ein Wohnhaus. Mit sehr abstrakten Projektionen beleuchtet sie in einer sehr schnellen, fast hastigen Weise unterschiedliche Details der Räume. Man kann Umrisse erkennen, es ist jedoch nicht möglich sofort zu sagen, in welchem Raum man sich befindet. Deshalb sind die wechselnden Kamera- und Lichteinstellungen ein gut gewähltes Stilmittel, um den Zuschauer nicht immer „im Dunklen tappen“ zu lassen. Man ist einem ständigen Hin und Her zwischen real Erkennbarem und  manipulierter Dunkelheit ausgesetzt. Und genau dieses visuelle Ping-Pong-Spiel kann nur durch die Musik zum Film funktionieren. Sie treibt den Zuschauer durch die temporeiche Entdeckungsreise immer weiter, von der Lagerhalle bis zum Baum vor dem Wohnhaus. Sehr aufdringlich, aber auf jeden Fall wirkungsvoll untermalen die elektronischen Geräusche die Projektionen.

Wenn man frühere Arbeiten von Roisz berücksichtigt, ist die wichtige Kombination zwischen Bild und Musik keine neue Errungenschaft. Schon in vielen ihrer früheren Performances kann das eine nicht ohne das andere.
darkroom ist voll von verschleierten Botschaften. Jeder Zuschauer reagiert anders auf diese unklaren Elemente. Dieses schnelle Voranschreiten, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, was um einen herum stattfindet, kann im Betrachter unangenehme Gefühle hervorrufen. Man sieht sich plötzlich konfrontiert mit der eigenen Eile, die uns ständig von einem Ort zum anderen trägt, ohne zu merken, wo man sich eigentlich befindet.    
           
Roisz hält dem Publikum einen ziemlich nebeligen Spiegel vor. Aber vielleicht ist es auch genau das, was Billy Roisz mit ihrem Film erzeugen will: Gerade so viel Raum für Interpretationen zu lassen, um die Zuseher dazu zu bringen, die Bilder selber fertig zu denken und darüber zu reflektieren. Spielt sie etwa auf unsere schnelllebige Gesellschaft an, die durch Stress und Hast nicht mehr aufnahmefähig ist? Mag sein, dass das ein möglicher Interpretationsansatz wäre, doch sind die Gedanken der Menschen frei und vielseitig. Jeder Zuschauer kann seine Phantasien und Vorstellungen ganz unbefangen entstehen lassen. Man bleibt nicht nur Betrachter, sondern wird indirekt Teil bzw. Mitwirkender des Films.
darkroom bietet diese großartige Möglichkeit, von einem Film gefordert zu werden. Das, was heutzutage so oft vernachlässigt wird, packt Roisz mit so einer Unklarheit und Unaufdringlichkeit in ihren Film, dass man dem einfach nicht entgehen kann.